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Wie viel arbeiten Lehrer? Einfach erklärt

Lesedauer 4 Minuten

Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei, aber wie viel arbeiten Lehrer eigentlich wirklich? In diesem Lernsnack erfährst du es.

Wie viel arbeiten Lehrer laut Gesetz

Lehrer sind meist Landesbeamte oder Angestellte des Öffentlichen Dienstes. Je nach Bundesland haben sie eine wöchentliche Arbeitszeit von 38,5 bis 39,5 Stunden als Angestellte. Beamten haben 40 bis 41 Stunden pro Woche abzuleisten.

Wichtig sind hier außerdem Artikel 3 und 4 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG):

Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

§ 3 Arbeitszeit der Arbeitnehmer

Die Arbeit ist durch im voraus feststehende Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt zu unterbrechen. Die Ruhepausen nach Satz 1 können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.

§ 4 Ruhepausen

Lehrer sollen also wie jeder andere Arbeitnehmer nicht mehr als acht Stunden am Tag arbeiten. Sofern sie 10 Stunden pro Tag arbeiten, müssen sie innerhalb von 6 Monaten den Schnitt wieder auf 8 Stunden reduzieren. Außerdem müssen sie Ruhepausen haben, was die Arbeitszeit von Anfang bis Ende verlängert.

So viele Stunden müssen Lehrer geben

Je nach Schulform und Bundesland erteilen Lehrer in der Regel 25,5 bis 28 Stunden Unterricht. Ausgehend von 45 Minuten pro Unterrichtsstunde sind das:

  • 25,5 x 45 Minuten = 19,125 Stunden
  • 28 x 45 Minuten = 21 Stunden

Die Stunden pro Tag lassen sich leicht hochrechnen: Durchschnittlich müssten es 5 bis 6 Unterrichtsstunden pro Tag sein, also zwischen 3 Stunden 45 Minuten und 4 Stunden 30 Minuten.

Natürlich gibt es je nach Schulform auch Tage, die länger sind. Dann sind andere entsprechend kürzer.

Was machen Lehrer den Rest der Arbeitszeit?

Es bleiben also an einem durchschnittlichen Tag zwischen 4 Stunden und 15 Minuten und 3 Stunden 30 Minuten übrig, die Lehrer noch arbeiten müssen, um auf ihre Stunden zu kommen. Was macht ein Lehrer in der restlichen Zeit?

  • Vorbereitung vor dem Unterricht
  • Vor- und Nachbereitung
  • Korrekturen
  • Schülergespräche
  • Elterngespräche
  • Gespräche mit Kollegen
  • Konferenzen
  • Dokumentation
  • Fortbildungen
  • Aufsichten
  • AGs und Lerngruppen
  • Kooperationen außerschulischen Partnern

Tatsächlich ist es oft so, dass Lehrer deutlich vor dem Unterricht in die Schule kommen, um Material zu kopieren, während der Pausen für die Schüler ansprechbar sind und durch den Kopierstau am Morgen noch nach der Schule kopieren.

Leider lässt sich diese Zeit nicht mit einer Stoppuhr genau messen. Aber es kommen dadurch mehrere Stunden in der Woche zusammen. Vor allem ist es schwierig, wenn „zwischen Tür und Angel“ noch schnell ein Gespräch geführt wird

Natürlich sind Lehrer irgendwann zuhause. Damit hört der Arbeitstag aber oft nicht auf. Wenn sie nicht ohnehin schon im Ganztag länger in der Schule sind und wie ein normaler Arbeitnehmer nach Hause kommen, dann haben sie anschließend noch Aufgaben (siehe oben) zu erledigen.

So passiert es oft, dass Lehrer auch abends noch arbeiten oder wenigstens einen Tag am Wochenende am Schreibtisch verbringen.

Ist denn das alles Arbeit?

Manche Lehrer arbeiten auch während des Sports, auf der Autofahrt zur Arbeit, während sie auf der Couch sitzen. Gedanken über einzelne Schüler oder den Stoffplan der nächsten Tage kann einem jederzeit in den Sinn kommen und genau so schnell wieder verschwinden.

Grundschullehrer basteln viel, um den Schülern das Material vorzubereiten. Das könnten die Schüler natürlich auch selber machen, aber so können sie direkt mit dem Material arbeiten.

Es ist beides nicht vergleichbar mit einem Job im Büro, der von 9.00 bis 17.00 Uhr geht.

Und die 12 Wochen Ferien?

Ja, Lehrer haben 12 Wochen Ferien und noch diverse andere Feiertage.

Ein normaler Arbeitnehmer hat 6 Wochen Urlaub (30 Tage). Wenn man die 6 Wochen der Lehrer umrechnet, dann sind das 240 Stunden Arbeitszeit. Bei 40 Schulwochen ausgeht im Jahr wären das 6 Stunden in der Woche (240 : 40), die ein Lehrer mehr arbeiten muss, um die Ferien rauszuarbeiten.

Wie schon erwähnt arbeiten Lehrer auch am Wochenende. Außerdem kann Lehren angeordnet werden, während der Ferien teilweise präsent zu sein. An vielen Schulen ist beispielsweise die letzte Woche der Sommerferien für Lehrer Schulpflicht.

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Wie viel arbeiten Lehrer eigentlich? Photo by Pixabay on Pexels.com

Ein Blick auf die Wissenschaft

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2016 arbeiten Lehrer durchschnittlich 43 Stunden in der Woche, wobei 33 Stunden in der Woche für Unterricht gerechnet werden können

Eine Studie von Hardwig und Mußmann aus 2018 stellt extreme Streuungen zwischen Lehrkräften, Schulformen und Fächern fest. Allerdings bemerken die Forscher, dass sich die Arbeitszeit erhöht und viele Lehrer über 48 Stunden in der Woche arbeiten, sodass Erholungszeiten durch fehlende Pausen und 7-Tage-Wochen geringer werden, zumal es oft keine Grenzen zwischen Beruf und Freizeit gibt.

Die Studie zur „Lehrerarbeit im Wandel“ von 2020 stellte 45 Wochenstunden durchschnittlich fest, wobei die Belastungen bei Lehrkräften mit über 45 Stunden Arbeitszeit pro Woche erheblich belastender wären, weil die Erholung fehle. Außerdem würden der Studie zufolge Teilzeitkräfte relativ betrachtet mehr arbeiten.

Und Corona?

Corona hat die Arbeitszeit noch einmal schwerer messbar gemacht. Während manche Lehrer viele Zoom-Konferenzen machten, mit den Familien telefonierten, Wochenpläne vorbereiteten, Lernplattformen befüllten, sich selbst in Windeseile fortbildeten, so gab es sicherlich auch Lehrer, die eher weniger getan haben.

Viele Lehrer haben aber doppelt gearbeitet, teilweise in Präsenz, teilweise online. Mit mehreren Gruppen und mehrfacher Arbeitsbelastung. Hinzu kamen später die Testungen, Zusammenarbeit mit Gesundheitsamt und Jugendamt, Elterngespräche und die Planung von Fördermaßnahmen.

Insgesamt würde ich meinen, dass die Lehrer mehr seit dem Ausbruch von Corona gearbeitet haben.

Fazit zur Lehrerarbeitszeit

Sicherlich gibt es Lehrer, die weniger als die vorgeschriebene Zeit arbeiten und sicherlich gibt es auch Lehrer, die in den Ferien wirklich Urlaub machen.

Ein Vorteil der Lehrer ist, dass sie nach der Schule die Zeit frei einteilen können. Darin liegt aber auch die Gefahr, dass Freizeit und Beruf sich zu sehr vermischen und Erholungspausen nicht ausreichend genutzt werden. Die genannten Studien zeigen übrigens eine hohe Zufriedenheit der Lehrkräfte in der Arbeit mit den Schülern, wenngleich die permanente Ansprechbarkeit eine hohe Belastung darstellt.

Diese Arbeitsbelastung wird sicherlich teilweise durch die Ferien ausgeglichen, aber nicht vollends, sodass zumindest nicht davon gesprochen werden kann, dass Lehrer vormittags Recht und nachmittags frei haben.

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