Unterrichtsplanung – So planst du eine gute Unterrichtsstunde

Unterrichtsplanung – So planst du eine gute Unterrichtsstunde

Lesedauer 6 Minuten

Das Kerngeschäft des Lehrers ist guter Unterricht, immer eine gute Unterrichtsstunde und natürlich eine klasse Unterrichtsplanung. Heute erkläre ich dir, wie du in wenigen Schritten eine runde Stunde planst.

Von der Idee zur Stunde

Wenn du eine Stunde planst für einen Unterrichtsbesuch, eine Revision, die Unterrichtspraktische Prüfung oder einfach für dich, so steht natürlich am Anfang eine Idee, die du dann in einem Unterrichtsentwurf aufschreiben willst. Die Planung und das Halten von Unterricht gehören zu den Kernkompetenzen von Lehrern und besonders im Referendariat, bei der Verbeamtung und bei den ersten Beförderungen wird sehr darauf geachtet, dass ein zeitgemäßer Unterricht abgehalten wird, der Schüler dort abholt, wo sie stehen und entlang eines roten Fadens zu einem Ziel bringt.

Die Natur der Sache: Kein Königsweg

Hier ist bereits das erste Problem bei der Planung von Unterricht: Es gibt keinen Königsweg und die Beobachtung von Unterricht hat auch immer eine subjektive Komponente. Es gibt viele Dinge, die man besser nicht tun sollte bei der Planung von Unterricht, die aber im Einzelfall auch funktionieren können.

Daher haben Lehrer nach einer Weile ein Schatzkiste an Methoden und Tricks, die sie mal hier und mal dort öffnen. Dinge, die gut funktionieren, werden behalten und andere werden aussortiert. Wenn man kein Typ für Gruppenarbeiten ist, wird man diese nicht häufig anbieten und trotzdem werden die Klassen lernen.

Hierzu ist es immer wichtig, die Lerngruppe mit ihren Rahmenbedingungen in den Blick zu nehmen, denn diese entscheiden vor allem, welcher Weg funktionieren wird und welcher nicht.

Es gibt viele Faktoren wie das Vorwissen, die Beziehung von der Klasse zum Lehrer, Uhrzeit der Stunde, Schulform, Sitzordnung, methodische Kenntnisse von Schülern und Lehrer und und und.

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Planung und Unterrichtsentwurf sind sehr wichtig für Referendare. Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Diskrepanz zwischen Alltag und Unterrichtsbesuch

Wenn es nicht um eine Beurteilung geht, in der natürlich eine perfekte Stunde wünschenswert ist, ist der Alltag eher davon geprägt, dass Ziele nicht auf den Punkt erreicht werden müssen und sich die Planung in einem größeren Zusammenhang abspielt und auch spontaner über den Haufen geworfen werden kann.

Der Aufwand von Besuchsstunden ist mit einer vollen Stelle nicht vereinbar und dennoch kann man als Lehrer davon profitieren, wenn man gelernt hat, Stunden zu planen und zu reflektieren. Besonders die Tatsache, dass es keinen Königsweg gibt, kann immer wieder genutzt werden, um im Nachhinein oder auch während der Stunde nachzusteuern.

Als erfahrener Lehrer verlässt man sich immer mehr auf das Gespür und die Erfahrung und lässt von einem Planungsentwurf ab und widmet sich eher den Möglichkeiten dem Zusammenspiel von Inhalt, Lernvoraussetzungen, Medien, Methoden und Zielen. Das eigenen Handeln rückt damit auch in den Hintergrund und man kann als gestandener Lehrer auch mehr loslassen und wirklich Schülerzentrierung leben.

Im Unterrichtsbesuch sollen Lehrer aber genau zeigen, dass sie Lernen in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort planen und in die Tat umsetzen können.

Vorüberlegungen für die Planung

Neben den Rahmenbedingungen, die eine Planung überhaupt erst möglich machen, ist auch wichtig, den eigentlichen Lernzuwachs als Ausgangspunkt der Planung zu nehmen und von innen nach außen zu planen. Folgende Fragen können also helfen:

  • Welche Lernvoraussetzungen und Lernbedingungen haben die Schüler der Klasse (individuell und als Gruppe)?
  • Welchen Lernzuwachs sollen sie nach der Stunde haben?
  • Wie ist dieser Lernzuwachs fachlich zu verorten?
  • Welche Schritte muss ich in der Stunde gehen?

Es gibt also bei der Planung von Unterricht einen Lernzuwachs auf Schülerseite und einen fachlichen Lernzuwachs. Wenn die Schüler zuhause erzählen können, was sie gelernt haben und sich das mit unserem Ziel deckt, waren wird schon einmal teilweise mit unserer Planung erfolgreich und haben die richtigen Vorüberlegungen angestellt. Wenn die Schüler zusätzlich noch die Bedeutung für das jeweilige Unterrichtsfach verstehen, dann haben wir gewonnen.

Typische Fehler bei den Vorüberlegungen

Viele Referendare und Junglehrer suchen zuerst nach Material oder einer Aufgabe und wollen daraus eine Stunde planen. Natürlich ist es in Ordnung, ein Material zu nehmen und nicht das Rad neu zu erfinden. Leider stellt das Material nicht den ersten Schritt in der Unterrichtsplanung dar. Ebenso wie die Methode, die man gerne „zeigen“ möchte.

Das Material ist ein Mittel zum Zweck und die Methode ist ein Weg von vielen. Bevor ich allerdings weiß, was ich überhaupt mit welcher Lerngruppe erreichen möchte, bringen mir beide eher wenig.

Auch ein perfekter Einstieg in einer Stunde ist nur ein Teil von mehreren, die zusammen eine Stunde ergeben. Im Prinzip ist eine Unterrichtsstunde wie ein Theaterstück mit einem Spannungsbogen und einem roten Faden.

Das ist die ideale Planungsreihenfolge

Unterricht gelingt am besten, wenn am Anfang klar ist, was gelernt werden soll, was das Thema der Stunde ist oder welche Kompetenz in der Stunde vermittelt wird.

Im Anschluss plant man für einen roten Faden über das Material, mit dem der Lerngegenstand vermittelt werden soll, welche Methode sich hierfür eignet.

Je nach Stundenart und Position in einer Reihe (Einstieg, Übung) wird nun eine Hinführung, ein Transfer oder eine sonstige Aufgabe gestellt, die eine Beschäftigung mit dem Material in der Sozialform ermöglicht.

Zum Schluss kommen der Einstieg, eine Hausaufgabe oder ein Transfer, mit denen die Stunde begonnen oder beendet werden können. Es ist auch durchaus möglich, mit der Besprechung einer Hausaufgabe einzusteigen oder mit einer Transferleistung die Stunde zu beenden. Wichtig ist vor allem, dass hier der Sinn gestiftet wird, um am Material in der Sozialform zu arbeiten.

Schritt 1: Lerngegenstand finden

Hier hilft ein Blick in die Lehrpläne der Länder, die in der Regel kompetenzorientiert aufgebaut sind. Mit Hilfe von Kompetenzen und inhaltlichen Schwerpunkten werden die Erwartungen an die Schülerinnen und Schüler formuliert.

Somit ist zu Beginn der Planung auch von Bedeutung, was die Schüler nach der Unterrichtseinheit mehr können oder wissen sollen als vorher.

Schritt 2: Material finden

Wenn dir klar ist, welche Kompetenzen du in der Unterrichtseinheit bearbeiten möchtest, ist die Zeit gekommen, um ein passendes Material oder einen passenden Impuls zu finden, welches oder welcher für dieses Ziel geeignet ist.

Natürlich gibt es Material, was nicht perfekt geeignet ist, aber durch geschickte Anpassungen lässt sich vieles beheben. Hier ist oft ein Kompromiss zwischen selber machen und das perfekte Material für die Stunde und Lerngruppe haben und einem etwas weniger perfekten Material bei Einsparung von Zeit der Königsweg. Vor allem im Alltag darf die Zeit nicht unterschätzt werden, die man als Lehrer arbeitet.

Schritt 3: Methoden, Differenzierung, Transfer und Hausaufgaben finden

Nachdem der Kern der Stunde mit dem Thema und dem Material gefunden ist, kannst du dich um Methoden, Differenzierungen, Transfer und Hausaufgaben kümmern.

  • Wie kann das Material am besten methodisch eingesetzt werden (Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenpuzzle, etc.)?
  • Welche Differenzierungen sind für einzelne Schüler der Lerngruppe sinnvoll und notwendig?
  • Wo kann mit Hilfe des Materials oder Schwerpunkts ein Transfer stattfinden?
  • Lässt sich noch eine Hausaufgabe geben, die einen Transfer oder eine Festigung darstellt?

Diese Überlegungen helfen dir, das Material und das Thema auszureißen und noch mehr daraus zu holen, was ja auch einem kompetenzorientierten Unterricht entspricht.

Schritt 4: Einstieg und Hinführung planen

Wenn die ersten Schritte gemacht wurden ist es relativ leicht, einen Einstieg und eine Hinführung zu finden.

  • Wie kann ich die Schülerinnen und Schüler für die Stunde begeistern?
  • Wo ist der Lebensweltbezug der Schüler?
  • Wie kann ich von einem Impuls und einer Motivation zu Beginn der Stunde zum eigentlichen Arbeitsteil der Stunde lenken?

Mit diesen Überlegungen gelingt es dir, den roten Faden der Stunde zu spannen und du landest garantiert dort, wo du hinkommen möchtest: Beim Lernzuwachs.

Schritt 5: Entwurf schreiben

Wenn man sich abschließend klar ist, was man überhaupt mit welcher Lerngruppe erlernen möchte, ist der Unterrichtsentwurf und das Erstellen von entsprechenden Arbeitsmaterialien eher eine Fleißaufgabe. Außerdem sollen die Ziele messbar oder erkennbar werden. Die Gliederung des Entwurfes hängt sehr vom jeweiligen Prüfer oder Gutachter ab. Von daher solltest du dich vorher informieren, was gewünscht wird.

Diese sollte natürlich nicht auf die leichte Schulter genommen werden und benötigt Zeit. Aber auch hier kann das Pareto-Prinzip helfen. Nach dem Prinzip: Das Wichtige zuerst und die Feinheiten zum Schluss hast zu nach einer kurzen Zeit eine solide Stunde stehen und kannst eventuellen Rückschlägen und Verzögerungen gelassen entgegen blicken.

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Häufiger Fehler bei der Planung

Tatsächlich ist es ein häufiger Fehler, dass besonders junge Lehrer zuerst überlegen, wie sie in die Stunde einsteigen oder eine Reihe planen und sich eine Stunde rauspicken, die ihnen besonders angenehm vorkommt wie eine Einführungsstunde oder eine Übungsstunde. Der Gedanke ist auch naheliegend, denn in der Einführungsstunde eröffnet man den Schülern thematisch eine neue Welt und bei einer Übungsstunde ist bereits der Lernzuwachs bei den meisten Schülern hoffentlich erreicht und es lässt sich noch nachjustieren.

Solche Stunden verfolgen aber häufig kein Ziel, sondern sind Mittel zum Zweck. Natürlich sind solche Stunden auch planungsintensiv und vor allem notwendig.

Der größte Fehler ist wirklich, eine Stunde von außen nach innen zu planen und dann am Ende den eigentlich Kern nicht zu erreichen, weil die Stunde nicht auf diesen abgestimmt ist.

Im Übrigen profitieren die Schüler nicht nur von Glanzstunden bei Besuchen, sondern auch im Unterrichtsalltag. Natürlich sind diese Stunden im Alltag nicht immer möglich, aber sie motivieren die Schüler, wenn gelegentlich ein Highlight dabei ist und außerdem ist das Denken von innen nach außen auch für die alltägliche Planung sinnvoll.

Wenn ich nämlich als Lehrer weiß, wo ich hinmöchte, werde ich meine Schritte dorthin anders gestalten als wenn ich nur an die Abarbeitung von Buchseiten denke und nicht darüber nachdenke, was die Schüler lernen sollen und warum es wichtig ist, diese Aufgabe oder jene zu bearbeiten. Transferaufgaben sind ja durchaus legitim und neue Aspekte sollten aber dem Lehrer auffallen und auch benannt werden.

Fazit

Das Planen von Unterricht ist Kerngeschäft von Lehrern und das Planen einer Stunde von innen (Kern) nach außen (Gestaltung) birgt viele Vorteile. Vor allem lassen sich eher ein roter Faden und ein Sinn für die Schüler erkennen.

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